Donnerstag, 27. September 2012

Ohhhhmm


"Arbeit und Ruhe gehören zusammen wie Auge und Lid."

Rabindranath Tagore

Momentan lautet die Devise 'Ruhe bewahren' und irgendwie die Zeit bis zu den Ferien überstehen. Egal, was kommt.
Die Schüler sind sowas von ferienreif. Von mir spreche ich schon gar nicht. Ich träume von Ausschlafen und Faulenzen. Ich träume davon nachts und tagsüber. Naja, bald ist es soweit. Aber vorher muss man sich noch mit einigen - nicht immer angenehmen Dingen - auseinandersetzen.

Man muss zum Beispiel nach Telefonnummern suchen, um das Kind bzw. seine Eltern zu erreichen. Nur weil eine Telefonnummer bei der Anmeldung angegeben wurde oder auf der Klassenliste steht, heißt es noch lange nicht, dass sie auch existiert. Nachdem ich zum dritten Mal die Ansage "Nummer nicht vergeben" höre, fange ich, nach einer gültigen Nummer zu fahnden. Und ich meine wirklich fahnden. Der betreffende Schüler hat nämlich keine Ahnung, wie ich seine Eltern erreichen. Er kennt seine Nummer natürlich nicht auswendig und die Handynummern der Eltern hat er sowieso noch nie zu Gesicht bekommen. Zumindest behauptet er das und weil ich das nicht überprüfen kann, muss ich dem glauben und Detektiv spielen.
"Ist deine Mutter zu Hause?"
- "Warum?"
"Ich muss mit ihr sprechen."
- "Warum?"
"Du weißt genau warum. Ich renne seit vier Wochen der einen Unterschrift hinterher. Ich habe gestern bei dir zu Hause angerufen. Die Nummer ist nicht vergeben. Habt ihr die Nummer zu Hause gewechselt?"
- "Sag ich nicht."
"Fatih ich brauche irgendeine Nummer von deiner Mutter. Handynummer geht auch."
- "Kenn ich nicht."
"Fatih! Nummer her! Sofort!"
- "Ich darf Sie die Nummer nicht geben!"
"Weil?"
- "Weil Datenschutz!" Soll da mal einer nicht verrückt werden!
Wenn man Glück hat, dann weiß man, wie die älteren Geschwister heißen und kann versuchen, sie per Facebook zu kontaktieren oder eben so lange auf den Schüler einzuschreiben, ihm mit dem Hausbesuch drohen oder Ähnlichem, bis er die Telefonnummer rausrückt. Alles andere wäre ja langweilig!

Langweilig wäre es auch, wenn unser Senat genau das machen würde, was er verspricht. Geld wurde zu einem bestimmten Zeitpunkt versprochen. Toll! Gesagt, getan, ein Projekt mit den Schülern angefangen. Sehr gut, gerade für unsere nicht ganz so ...ähhhmm... einfachen Kiddies. Sie haben ein Ziel vor Augen, arbeiten, um was Eigenes zu schaffen und sind beschäftigt. Und natürlich freuen sie sich auf das Ergebnis. Und dann plötzlich: Ups, verzählt, Geld reicht doch nicht. Das Projekt kann nur Anfang nächsten Jahren endfinanziert werden. Konsequenz? Nur eine für uns. Versuchen, es den Schülern irgendwie zu erklären, uns das Gemotze anhören und hoffen, dass das Geld im Winter tatsächlich vorliegt.

Genauso öde wäre es , wenn unsere Schüler plötzlich an einem Morgen als die bravsten Menschen dieser Welt aufwachen würden. Zum Glück ist es bisher nicht passiert und das Entertainment-Programm kann Tag für Tag fortgesetzt werden.
- "Ich mach nicht mit dem in eine Gruppe! Ich habe sowieso kein Bock auf die Aufgabe!"
"Timm, jetzt gib dir einen Ruck! Im Betrieb kannst du es dir auch nicht aussuchen, mit wem du arbeiten möchtest und mit wem nicht!"
- "Gaaaar nicht!"
"Was wird denn deiner Meinung nach passieren, wenn du am Arbeitsplatz die Zusammenarbeit mit einem Kollegen verweigerst?"
- "Gaaaar nix, der Chef wird bestimmt das Problem irgendwie lösen."
"Richtig, indem er dich noch mal auf diesen Kollegen verweist!!"
In dem Moment schaue ich zu Mirko, der mit dem Kopf auf dem Tisch liegt.
- "Mirko, arbeitest du nicht an der Aufgabe?" Mirko reagiert nicht und bleibt liegen. Ich komme näher.
"Mirko!!!"
- "Was schreien Sie so?"
"Also was ist los?"
- "Ich bin sauer auf Sie!"
"Aus welchem Grund?" Schweigen.
"Mirko, du musst schon mit mir reden, sonst werden wir das Problem nie klären!"
- "Alle schreien rein und Sie hören denen zu. Ich meld mich hier eine Stunde und mich nehmen sie nicht dran!" Ist auch echt schwer bei so einem Chaos auf jeden einzelnen zu achten und zu realisieren, wer sich meldet und wer nicht.
"Eine Stunde kann gar nicht sein!"
Mirko bleibt trotzig. - "Dann eben zwei Stunden. Zähle ich doch nicht!"
"Hey, falls ich dich tatsächlich übersehen habe, tut es mir leid. Und jetzt mach lieber die Aufgaben, sonst verlierst du wertvolle Punkte für deine heutige Note." Mirko bewegt sich total lustlos zu seinem Partner. So, als würde er mir einen Riesengefallen tun. Wann hast du dich eigentlich jemals bei mir fürs Zuspätkommen, dreiste Antworten und Unzuverlässigkeit entschuldigt? Egal, es spielt jetzt keine Rolle. Er macht die Aufgabe und ich bin glücklich, dass in der Klasse einigermaßen Ruhe herrscht.

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